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Der GAP-Gesundheitscheck beinhaltet im Wesentlichen, aufbauend auf den Reformen von 2003 und den seitdem gesammelten Erfahrungen, die Funktionsweise der Politik zu verbessern und sie in die Lage versetzen, besser auf die neuen Herausforderungen und Chancen einer EU mit heute 27 Mitgliedstaaten einzugehen.
Bei der Bewältigung der speziell unter 3. genannten neuen Herausforderungen zur Eindämmung des Klimawandels, der effizienten Wasserbewirtschaftung und Erhaltung der Artenvielfalt leisten die über 3 Mio. im Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux organisierten Kleingärtnerfamilien in Europa direkt und indirekt einen entscheidenden Beitrag zur Umsetzung einer neuen europäischen Agrarpolitik. Schulung Der Erfahrungs- und Wissensschatz der Kleingärtner stellt ein hohes Potential beim Schutz der Umwelt und der Kulturlandschaften dar. Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. hat z. B. einen Leitfaden Naturgemäßes Gärtnern für eine gute fachliche Praxis im Kleingarten entwickelt. Der Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs organisiert Schulungen mit einem Sachkundennachweis bezüglich Pflanzenschutz. Der französiche Kleingärtnerverband (Fédération Nationale des Jardins Familiaux et Collectifs) hat eine Charta für „Gartenbau und Umwelt“ erarbeitet und die Mitglieder verpflichten sich sie anzuwenden. Diese Charta schlägt unter anderm vor keine Unkrautvernichter zu gebrauchen, den Gebrauch von chemischen Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel zu reduzieren, Abfälle zu kompostieren, Regenwasser aufzufangen und den Wassergebrauch zu reduzieren. Um in den Kleingartenanlagen ein umweltgerechtes Gärtnern zu stimulieren, hat der schwedische Kleingärtnerverband (Svenska Förbundet för Koloniträdgardar och Fritidsbyar) Kriterien erarbeitet und ein Diploma für umweltgerechtes Gärtnern geschaffen. Alle Mitgliedsvereine, welche diese pädagogischen Richtlinien für die Gartenarbeit anwenden, können dieses Diploma erhalten. Die Kriterien enthalten z.B. allgemeine Regeln für ein ökologisches Gärtnern, das Kompostieren, Artenvielfalt, Wasserentsorgung, Energie, Material, Transport, Geräte .... Andere Verbände wie z.B. der niederländische Verband und das Office selbst verleihen auch Ehrenurkunden für ein ökologisches Gärtnern. Lebensqualität Der Kleingarten sorgt für frische Luft. Kleingärten verbessern das Wohnumfeld- insbesondere in den Ballungszentren. Menschen finden in der Nähe ihrer Wohnung eine sinnvolle und gesunde Freizeitbeschäftigung. Er macht Natur erlebbar: Umweltschutz und Artenvielfalt Der Kleingärtner trägt aktiv zum Umweltschutz bei: Weil die produktionsmaximierenden Maßnahmen die in unserer Agrarlandschaft zum Rückgang vieler Pflanzen und Tiere geführt haben im Kleingarten nicht ergriffen werden müssen, sind die Möglichkeiten im Kleingarten eine Artenvielfalt zu entwickeln so günstig wie noch nie. Kleingärten sind Lebensraum und Nahrungsgrundlage vieler Tierarten. In England, den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland, wurden Untersuchungen in Kleingärten zur Pflanzenartenvielfalt in Kleingärten durchgeführt. In Mitteldeutschland z. b. Sachsen-Anhalt wurden in 2004 und 2005 nahezu 300 verschiedene Pflanzenarten auf 1000 m² Kleingartenfläche gefunden. Das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen und lässt den Schluss zu, dass kein städtischer Park auch nur annähernd so viele Pflanzenarten aufweisen kann. Ein rezenter wissenschaftlicher Bericht über das Verwalten des städtischen Grüns („Managing the Urban Greens“) von E. ANDERSSON u.a. der Universität Stockholm und der schwedischen Landwirtschaftsuniversität (2007) zeigt dass die lockere Verwaltung in den Kleingärten sehr wichtig für die Ökosystemdienstleistungen in den städtischen Landschaften ist. In ihren Untersuchungen haben sie z. B. zahlreichere und andere Arten von Hummeln in den Kleingärten als in den Parks und Friedhöfen gefunden. In den Niederlanden tauchte ein auf der roten Liste stehender Schmetterling in der Kleingartenanlage“Briljant“ in Utrecht, Mitglied des niederländischen Kleingärtnerverbandes wieder auf. (Algemeen Verbond van Volkstuinders Verenigingen in Nederland) Städtische Landwirtschaft Die Kleingärten bringen dem Kleingärtner und seiner Familie wertvolles Obst und Gemüse, mit unvergleichlichen Geschmacksqualitäten. In Schweden hat man z. B. geschätzt, dass auf einer Kleingartenparzelle von 200 – 300 m2 ein Kleingärtner 100-200 kg Kartoffeln und Zwiebeln, 50 – 100 kg andere Gemüsearten und 50-150 kg Obst und Beeren ernten kann. Durch das Anwenden umweltfreundlicher Anbaumethoden und aufgrund der Artenvielfalt erhält der Kleingärtner viele essbare Arten mit hohen gesundheitsfördernden Wert, die unschätzbar wertvoll und pestizidienfrei sind, welche im Reifestadium geerntet werden können und dann ohne lange und teure Anfahrtswege direkt frisch vom Garten auf den Tisch gelangen. Die Prinzipien einer dauerhaften Entwicklung werden so effektiv angewandt. Schlussfolgerung und Forderung Eine wichtige Zielstellung des Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux besteht daher in der Einbindung von Kleingartenanlagen in den städtischen und ländlichen Raum, die Erhaltung von Kleingartenanlagen in Großstädten und Bildung von Kleingartenparks. Die Europäische Agrarpolitik sollte neben den Interessen der erwerbsmäßigen Landwirtschaft auch unter dem Stichwort- Maßnahmen der ländlichen Entwicklung- die Belange des Kleingartenwesens angemessen berücksichtigen. Es sollte Anreize geben, um Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und Erhaltung der Artenvielfalt zu verbessern. Dazu könnten die Geldmittel in der so genannten „Modulation“ erhöht werden, um diese in das Budget für die ländliche Entwicklung zu übertragen. So können die Kleingärtner erfolgreich an der Lösung von gesamtgesellschaftlichen Problemen mitwirken, die nicht nur durch Investitionsförderung und Strukturmaßnahmen in der europäischen Landwirtschaft erreicht werden können.
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