Gärten
sind wie das Leben
Noch
einmal jung sein?
Viele Dinge von denen man in der Jugend profitieren könnte, bekommt
man leider erst in reiferen Jahren: Genügend Wohn- und Freiraum,
Geld, Freizeit und Erfahrung. Immer mehr junge Menschen halten diese
Umstände heute von der Familienplanung ab. Kinder bedeuten eine
zusätzliche Einschränkung des persönlichen Lebens.
Andererseits geben sie mit ihrem Heranwachsen und Lachen dem eigenen
Leben einen tieferen Sinn und viel Lebensfreude, die man mit Geld
nicht bezahlen kann. Hilfen von staatlicher und kommunaler Seite unterstützen
junge Familien. Kleingärten sind ein kleiner Beitrag für
die Erweiterung des Wohnraums, der Freizeitgestaltung und Erholung
für wenig Geld.
Hilfe
- ich habe einen Garten!
Das Anlegen eines Gartens zum Wohlfühlen lernt man nicht in der
Schule. Ein großer Teil der neuen Mutter-Vater-Generation ist
häufig fern jeglichen Grüns in der Stadt groß geworden
und hat Natur nur auf einem Schulausflug, im Urlaub auf dem Bauernhof
oder beim Besuch der Großeltern auf dem Land kennen gelernt.
Ein 300 Quadratmeter großes, brach liegendes Grundstück
neben dem schmucken Garten eines erfahrenen Hobbygärtners und
eine vom Verein ausgehändigte zehnseitige Gartenordnung können
da schnell mutlos machen.
Gärtnern
lernt man nicht an einem Tag. Und die Gestaltung des Gartens ist wie
das Leben: So, wie sich der Mensch an neue Lebenssituationen anpasst
und verändert, wird auch ein Garten einem ständigen Wandel
unterliegen, wenn seine Bewohner ihn entsprechend ihrer persönlichen
Bedürfnisse gestalten.
Grundlegendes
zur Gestaltung eines Familiengartens
Die
Wiese zum Lagern und Spielen
Neben
einer kleinen Gartenlaube und einem Freisitz benötigen Familien
mit kleinen Kindern vor allem Platz zum Erholen und viel Freifläche
zum Toben und zum ausgelassenen Spielen. Hierzu eignet sich am besten
ein ordentliches Stück strapazierfähigen Rasens. Gutes Saatgut
der Sorte „Spielrasen“ sowie regelmäßiges Düngen
und Mähen gewährleisten einen trittfesten Rasen, auf dem
man mit einer Decke lagern und gemeinsam spielen kann. Blumenwiesen
eignen sich leider nicht zum Betreten, da sie nur zweimal im Jahr
gemäht werden dürfen. Wer trotzdem nicht auf Blühendes
verzichten möchte, pflanzt im Herbst in den hinteren Bereich
der Rasenfläche leuchtend gelbe Narzissen und davor bunte Krokusse.
Die Blüten erfreuen im zeitigen Frühjahr, wenn der Rasen
noch nicht genutzt wird. Abgemäht werden die Blätter, wenn
sie sich zurückgezogen haben Ende Mai. Danach kann man den Rasen
wieder vollflächig nutzen.
Der
Gefahr begegnen
Der Garten
sollte keine ungesicherten Gefahrenstellen, wie z. B. einen Teich
oder ähnliches haben, wenn eine Überwachung nicht gewährleistet
ist. Krabbelkinder ertrinken in der kleinsten Pfütze! Der Hauptspielbereich
für Krabbelkinder sollte den Blickkontakt zwischen Eltern und
Kind gewährleisten.
Zahleiche Pflanzen enthalten Inhaltsstoffe, die beim Genuss der Blätter,
Blüten oder Früchte Bauchweh, Übelkeit bis hin zu schlimmsten
Vergiftungserscheinungen hervorrufen können. Entsprechende Listen
liegen bei der Verwaltung vor und werden bei der Pflanzenauswahl in
Schulen, Kindergärten und auf Spielplätzen berücksichtigt.
Dies ist wichtig im öffentlichen Bereich, wo die Kinder auf sich
gestellt sind. Im Privatgarten sollte man zwar ebenfalls Vorsicht
bei der Pflanzenauswahl walten lassen, aber auch etwas Vertrauen in
die eigene Beratung der Kinder setzen. Nicht jedes Blatt wandert in
den Mund der Kleinen und wenn doch, selten in der Menge, dass die
Pflanzeninhaltsstoffe Unwohlsein bereiten. Auf einige Pflanzen wie
z. B. Maiglöckchen, Goldregen und Salomonssiegel sollte man jedoch
grundsätzlich verzichten, wenn kleine Kinder im Garten spielen.
Der
Garten für Entdecker
Ein kleiner Entdeckergarten für Groß und Klein mit Gemüse,
Beerenobst und Kräutern gehört zu einem richtigen Garten
dazu. Damit er von den Kindern als etwas Besonderes respektiert wird,
kann er mit einer niedrigen Hecke aus Buchsbaum, Lavendel, einjährigen
Pflanzen (z. B. Tagetes)oder auch mit einem niedrigen Zaun aus Weidengeflecht
eingegrenzt werden. Zur Aussaat geeignet ist alles, was ohne große
Erfahrung gedeiht und außer einem Schluck Wasser, wenig Beobachtung
benötigt. Dazu gehören u. a. kleine Monster wie Kürbisse
und Zuchinis aber auch Erdbeeren, Himbeeren, Kräuter, Erbsen
und Bohnen. Letztere sind besonders schmückend, wenn man in einer
Gartenecke aus biegsamen Weideästen oder Bambusstangen ein Indianertippi
aufbaut. Dazu wird zunächst ein Kreis mit ca. einem Meter Durchmesser
auf die Erde gezeichnet. Die „Gerüststangen“ werden
in gleichmäßigen Abständen auf der Kreislinie in die
Erde eingegraben und oben fest zusammengebunden. Ab Ende Mai setzt
man an jede Stange 3 Bohnenkerne – vorzugsweise die der in leuchtendem
Rot bis in den Herbst blühenden Feuerbohne. Damit das Gerüst
während der Wartezeit lustig aussieht, kann man es mit bunten
Bändern umwickeln. Wenn man die Öffnung auf einer Seite
nicht vergisst, ist das Tippi auch zum Spielen gut geeignet. Schmale
mit Rindenhäckseln abgedeckte Fußwege können im Entdeckergarten
jedes Jahr neu angelegt werden und erleichtern das Pflegen und Gießen
der Pflanzen.
Mit
allen Sinnen genießen
Gärtnern
ist sinnlich – sei es der Duft der Blüten, das Gesumme
der Insekten oder der Geschmack aromatischer Kräuter. Ein Beet
für die Sinne gehört in den sonnigsten Abschnitt des Gartens.
Gut geeignet ist ein ca. dreißig bis fünfzig Zentimeter
hoher Erdhügel, der auf der Sonnenseite von einer kleinen Trockenmauer
aus Natursteinen abgefangen wird. Wichtig ist bei der Standortauswahl
einen Platz zu wählen, von wo aus das Beet rundum begehen kann.
Eine Mauerabdeckung z. B. aus Sandsteinplatten dient als wärmender
Sitzplatz zum Beobachten. Die benötigten Steine erhält man
für wenig Geld bei Steinmetzen aus dem „Restehaufen“.
In der Nähe der Sitzplatten pflanzt man niedrige Kräuter
wie z. B. Lavendel, Thymian, Rosmarin, und Pfefferminze. Dahinter
schließen sich je nach Größe des Beetes Schmetterlingssträucher
(Buddleia) in unterschiedlichen Farben und Sorten an. Damit sich die
Pflege in Grenzen hält, kann man eine Untersaat aus Phacelia,
Tagetes, Mohn und Margeriten vornehmen. Hier hat das Unkraut keine
Chance. Sollten die Buddleien zu sehr bedrängt werden, dezimiert
man einen Teil der Unterpflanzung und kompostiert sie. So ein Beet
zieht Insekten, Schmetterlinge, Nachtfalter und mit ihnen die Kinder
magisch an. Der anscheinende „Wildwuchs“ vermittelt den
Eindruck in einer verwunschen Welt zu sein.
Die Möglichkeit, kreative Ideen im Kleingarten Schritt für
Schritt umzusetzen, dabei zu entspannen und viele Dinge aus einem
anderen Blickwinkel gemeinsam mit Familie und Freunden zu erleben,
kann der Beginn eines neuen Lebensabschnitts sein. „Wo verbringen
Sie Ihr nächstes Wochenende?“ – „Bei Alice
im Wunderland. Das liegt gleich um die Ecke, mitten in einer Kleingartenanlage.“
Marianne
GENEGER-HEIN
Landesverband Rheinland der Kleingärtner e.V.

Gärtnern
lernt man nicht an einem Tag,
doch früh übt sich,
wer ein Meister werden will
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ein
Stück strapazierfähigen Rasens bietet
viel Platz zum Spielen und Toben
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Vorsicht
bei der Pflanzenauswahl:
Auf Maiglöckchen zum Beispiel sollte man im Garten für
Kinder verzichten
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Kinder
geben viel Lebensfreude,
die man mit Geld nicht bezahlen kann
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Gärtnern
ist sinnlich:
der Duft von Blüten gehört dazu |
Bildunterschriften
zum Beitrag
"Gärten sind wie das Leben"
von M. Genenger-Hein
Quellennachweis
für die Photos
„BDG
Deutschland“
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