in
sozialer Verantwortung
Im Jahre 1998 wurde die Erklärung der Menschenrechte 50 Jahre
alt. In Artikel 24 der Internationalen Menschenrechtserklärung
heißt es: "Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit..."
Allzu viele Mitbürger haben in der gegenwärtigen Zeit hoher
Arbeitslosigkeit, der Frühpensionierung und zunehmender Einschnitte
in das soziale Netz erhebliche Probleme, mit ihrer ungewollten Freizeit
sinnvoll umzugehen. Andere haben erhebliche Integrationsprobleme.
Sie kommen als Aus- oder Umsiedler, zum Teil ohne ausreichende Kenntnisse
der nationalen Sprache, in eine für sie völlig fremde Umgebung
und Lebenssituation. Andere wiederum finden sich plötzlich als
Ausländer in einem vollkommen fremden Kulturkreis und wissen
sich ihren engsten Nachbarn nicht zu nähern.
Junge
Familien in den Ballungsgebieten der Großstädte sind oft
genug gezwungen, in menschenfeindlichen, riesigen Wohnmaschinen ihre
Kinder aufwachsen zu sehen, ohne daß sie die Möglichkeit
hätten, mit ihnen die Wochenenden im Grünen zu verbringen
oder sich auch nur gelegentlich einen Urlaub zu gönnen. Ihre
Spielplätze liegen meist inmitten von Betonwüsten. Langeweile,
Frustration und oft zunehmende Gewaltbereitschaft sind die Folgen.
Alleinerziehende, Singles und behinderte Menschen stehen oft genug
außerhalb der Gesellschaft und hadern mit ihrem Schicksal.
Die
Lebenserwartung der Bevölkerung steigt stetig. Der Anteil der
Senioren an der Gesamtbevölkerung wächst unaufhörlich.
Bei meist noch vorhandener Leistungsfähigkeit fallen auch sie
oftmals plötzlich in eine Leere und wissen ihrem Lebensabend
keinen rechten Sinn mehr zu geben.
Oberflächlichkeit
und Kälte bestimmen weitgehend das Bild unserer Gesellschaft.
Vereinsamung inmitten von Menschenmassen ist für viele die Folge.
Hinzu kommt vielfach oft die finanzielle Not, die viele unserer Mitbürger
von zahlreichen gesellschaftlichen Kontaktmöglichkeiten von vornherein
ausschließt. Wirtschaftlicher und sozialer Abstieg sind allzu
oft die Folgen.
Während
die einkommenssicheren und einkommensstarken Bevölkerungsgruppen
ihren Konsumbedarf lautstark artikulieren, herrscht bei der einkommensschwachen
Bevölkerung gerade eine gewisse Sprachlosigkeit vor. In dieser
Situation ist sozialpolitischer Handlungsbedarf gegeben. Es müssen
Möglichkeiten gesucht werden, realistische Alternativen für
die betroffenen Bevölkerungskreise aufzuzeigen.
Das
Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux als
der Dachverband für mehr als drei Millionen europäischer
Kleingärtnerfamilien bietet hier seine Mitarbeit und Hilfe an.
Mit dieser Broschüre zeigt er Mittel und Wege auf, die für
viele Mitbürger eine entscheidende Wende in einer scheinbar ausweglosen
Situation bedeuten können. Dabei ist natürlich der Kleingarten
kein Allheilmittel; er ist aber für viele durchaus geeignet,
aus einer Situation der Inhaltslosigkeit und Vereinsamung einen sinnvollen
Ausweg zu bieten.
Die
Kleingärtnergemeinschaften in mehr als 40.000 Kleingärtnervereinen
in Europa erbringen täglich den lebendigen Beweis, daß
gesellschaftliche Ausgrenzung kein unabwendbares Schicksal ist. Die
Gemeinschaft der Kleingärtner ist eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten;
ihr gemeinsamer Anknüpfungspunkt ist der Umgang mit der Natur.
Das Umsetzen mag dabei noch so vielfältig sein, es ist jedoch
immer eine Quelle für Anregungen und Ansätze für ein
besseres Verstehen untereinander.
Die
Tätigkeiten im Kleingarten sind vielseitig. Der Erfolg eigener
Hände Arbeit wird sichtbar. Auch wenn man aus dem Berufsleben
vorzeitig ausgeschieden ist, kann man hier seine beruflichen Fähigkeiten
bei praktischer Arbeit im eigenen Garten oder bei der Gemeinschaftsarbeit
noch unter Beweis stellen. Auch in die Vorstandsarbeit kann der Gartenfreund
seine beruflichen Erfahrungen aus Büro oder Werkstatt einbringen.
Hier wird ihm sichtbar der Eindruck vermittelt, daß man noch
gebraucht wird. Der gesellschaftliche Anschluß geht auf diese
Weise nicht verloren. Das Selbstwertgefühl bleibt auch nach dem
Verlust der Arbeitsstelle erhalten.
Für
Aussiedlerfamilien, ausländische Mitbürger und andere mit
Integrationsproblemen ist der Kleingärtnerverein die ideale Möglichkeit
zur Herstellung gesellschaftlicher Kontakte. Die Überwindung
von Sprachbarrieren ist ebenso selbstverständlich wie die sich
ergebenden gegenseitigen Lerneffekte. Bei der Gemeinschaftsarbeit
zur Pflege und Erhaltung der Anlage oder bei der Nachbarschaftshilfe
und -pflege werden Erfahrungen ausgetauscht, die allen zugute kommen.
Nicht
zuletzt bietet der Kleingarten einen Ausgleich für Defizite im
Wohnbereich. Der gemeinsame Aufenthalt an der frischen Luft, die Gemeinsamkeit
mit anderen Familien, das gemeinsame Erleben vom Wachsen und Werden
in der Natur, die ungezwungenen Spielmöglichkeiten für Kinder
ohne Gefährdung haben gerade für junge Familien eine nicht
zu unterschätzende Bedeutung.
Die
folgenden Beispiele sollen verdeutlichen, welche vielfältigen
Facetten das Vereinsleben in der Kleingärtnerorganisation bietet.
Sie zeigen, daß das Kleingartenwesen eine starke Integrationskraft
entwickeln kann.
Ohne
materielle und ideelle Unterstützung durch Politik und Verwaltung
ist das segensreiche Wirken der Kleingärtnerorganisationen auch
in sozialpolitischer Hinsicht gegen die Begehrlichkeiten der Grundstückseigentümer
und Planungsabsichten der Gemeinden oft nicht zu verteidigen. Dies
bewußt zu machen und die erforderliche Unterstützung dafür
einzufordern ist die Absicht dieser Broschüre.
Rolf
Neuser
Praesidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.
Gelebte Verantwortung.
Solidarität
mit dem Gemeinwesen sowie ökologische und soziale Verantwortung
hat das Kleingartenwesen in allen Ländern und Städten Europas
schon immer ausgezeichnet. Die oft eigene Not und Betroffenheit aufgrund
gesellschaftlicher Entwicklungen oder Veränderungen von der Vergangenheit
zur Gegenwart haben dazu geführt, daß soziales Handeln
zum Selbstverständnis der Kleingärtner gehört und sie
eine offene Solidargemeinschaft bilden.
Gerade
heute bedarf es ideeller Vereinigungen mehr denn je, um auf das soziale
Gefälle und die verschiedenen Ausprägungen in der Gesellschaft,
wie z.B. Ausländer, Senioren, Arbeitslose, Alleinerziehende,
Kinder und Familien sinngebend zu reagieren.
In einer Zeit, in der eine erhebliche Zahl von Arbeitnehmern ihren
Arbeitsplatz verloren haben und weitere damit rechnen müssen,
beschäftigungslos zu werden, bietet der Kleingarten und die Gemeinschaft
im Verein zahlreiche Betätigungsmöglichkeiten und Aufgabenfelder,
die sowohl den unmittelbar betroffenen Kleingärtner selbst als
auch anderen nützen und zugute kommen.
In
den Niederlanden bieten immer mehr Vereine Drittpersonen die Möglichkeit
an die Kleingartenanlagen zu benutzen. Die Bewohner der Umgebung werden
eingeladen, Spaziergänge durch die Kleingartenanlagen zu machen.
Während dieser "Entdeckungsreise" können sie das
Wachsen der Pflanzen, die Blumen und die Schmetterlinge bewundern
und den Gesang der Vögel und das Summen der Bienen genießen.
Manchmal treffen sich diese Besucher auch im Gemeinschaftshaus mit
Kleingärtnern.
Wir sind alle gleich
Der mit seiner Frau Tüley seit 28 Jahren verheiratete Vereinschef
der 'Glücklichen Gartenfreunde' lebt seit 1969 in Deutschland,
Hasan Sendo aus Bosnien, Mitglied des Kleingartenvereins Skovly in
Nyborg, lebt seit 1992 in Dänemark.
"Wir gehören hierher", sagen diese ausländischen
Kleingärtner, "und wollen zusammen mit allen anderen Bürgern
unser Leben hier führen!" Zu den Vereinsmitgliedern zählen
neben den einheimischen Kleingärtnern eine Vielzahl von ausländischen
Kleingärtnern. Sie alle wollen miteinander auskommen und miteinander
umgehen, denn "Alltagsprobleme kennen keine Nationalitäten".
Wer die 'Glücklichen Gartenfreunde', den Verein Skovly, die Vereine
in Dreux und Nîmes in Frankreich oder in Oudenaarde in Belgien,
in Hollerich oder Düdelingen in Luxemburg - um nur einige Vereine
europaweit zu nennen - besucht, erkennt auf den ersten Blick, daß
Integration hier kein nur leeres Wort ist, sondern von Kleingärtner
zu Kleingärtner unter Gleichgesinnten praktiziert wird.
Die gute Nachbarschaft gilt jedoch nicht nur untereinander über
den Gartenzaun, sondern schließt die benachbarten Wohngebiete
und die Kinder ein, die gemeinsam und miteinander auf den Freiflächen
herumtollen.
Resignieren gilt nicht
"Heute hat der Kleingarten für mich als Arbeitsloser höhere
Bedeutung als früher. Es ist nichts mehr da an Kommunikation
mit anderen Menschen, außer wenn man mal frühere Kollegen
auf der Straße trifft. Jeder hat seine Sorgen, und deshalb ist
es umso wichtiger, sich in der ungewollt freien Zeit sinnvoll zu beschäftigen.
Einerseits ist der Kleingarten so etwas wie eine Fluchtstätte,
in der Realität bedeutet er jedoch viel mehr. Die Beschäftigung
im Kleingarten ist etwas, das mich nachdenken läßt über
meine Zukunft und über die Beschäftigung mit der Natur.
Dabei läuft man nicht Gefahr, in Resignation zu verfallen und
nur noch den ganzen Tag vor dem Fernseher zu sitzen oder sogar zur
Bierflasche zu greifen", sagen die Betroffenen, in der Schweiz,
in Dänemark, in Großbritannien, in Polen, in Deutschland,
in Belgien, in Frankreich, in Norwegen oder anderswo.
Behinderung - na und?
Ein 600 m² großer Kleingarten direkt am Weg zum Vereinsheim
stellt sich so dar, als ob besonders emsige Garten- und Gemüsefreunde
ihre Parzelle mit Begeisterung bewirtschaften. Rotkohl, Kohlrabi,
Zucchini, Salat und Möhren, das frisch gemähte Rasenstück
und die fachmännisch geschnittenen Obstbäume belegen diese
Einschätzung. Doch weit gefehlt.
Die Parzelle wird nicht von einem besonders emsigen Kleingärtnerehepaar
gehegt und gepflegt, sondern steht einer 25-30 Mitglieder zählenden
Gruppe geistig und mehrfach behinderter Menschen zur Verfügung.
Die Initiative des ortsansässigen Kleingärtnervereins findet
große Akzeptanz, nicht nur unter den Mitgliedern.
Auf beiden Seiten herrscht Begeisterung und der Wunsch, daß
diese Idee möglichst viele Nachahmer erhält. "Es ist
wichtig, dazuzugehören und eine Aufgabe zu haben", so eine
Betroffene, die stellvertretend für die anderen Mitglieder schon
die nächsten Pläne und Aktivitäten voller Begeisterung
schildert. So soll demnächst die Laube renoviert und ein kleines
Gewächshaus aufgestellt werden, damit das Gemüse vorgezogen
werden kann.
Diese und andere Vorhaben z.B. in Deutschland, Dänemark, Großbritannien,
den Niederlanden, Frankreich und Polen verstärken die Gelegenheit,
mit den Nachbarn zu sprechen, Erfahrungen auszutauschen und am Vereinsleben
der Gartenfreunde teilzunehmen.
In Frankreich hat der Kleingartenverein in Tourcoing der Blindenorganisation
"Papillon Blanc" oder der Verein von Dugny (Umgebung von
Paris) Schwerbehinderten der Bewegung IMC Alternance eine Parzelle
zur Verfügung gestellt. Auch empfangen oft die Kleingärtner
Patienten, die nur einen Tag im Krankenhaus sind, in ihrer Anlage.
Auch in Norwegen sind oft behinderte Menschen Mitglieder in Kleingärtnervereinen,
bebauen ihre Parzelle inmitten der andern Kleingärtner und erhalten,
wenn notwendig, Hilfe von ihnen.
Auch die polnischen Kleingärtner sind auf diesem Gebiet sehr
aktiv. Nach dem Motto: "Kleingarten ohne Schranken" wurden
in vielen Kleingartenanlagen die Wege behindertengerecht angelegt,
Hochbeete errichtet und Spielplätze angepaßt. Des weiteren
werden gesellschaftliche Veranstaltungen und Urlaubmöglichkeiten
organisiert, fachliche und andere Hilfe bei der Kleingartenarbeit
geleistet, so beim Kauf und bei der Reparatur von Spezialgeräten,
um nur einige Tätigkeiten aufzuzählen.
Solidarität beweisen
Vielfältige Schicksale verbergen sich hinter den nur allzu nüchternen
Zahlen, welche die seit Jahren anhaltende hohe Arbeitslosigkeit beschreiben.
Dennoch vermag die Statistik nicht annähernd die Betroffenheit
der Menschen, darunter viele Gartenfreunde, darzustellen, die allzuoft
resignieren und damit ihren sozialen Abstieg begünstigen.
Hier gilt es als Vereinsvorstand Flagge zu zeigen und Solidarität
mit den Betroffenen zu beweisen.
Mit einem eindeutigen Appell an das soziale Gewissen der Gartenfreunde
hat z.B. der Landesverband Rheinland der Kleingärtner (Deutschland)
seine Vorstände aufgefordert, offensiv zu werden und auf die
arbeitslosen Mitglieder, die oft jahrelang aktiv im Verein mitgearbeitet
haben, zuzugehen.
Unter dem Motto "Ran an den betroffenen Gartenfreund und z.B.
Ratenzahlung anbieten" ist alle Unterstützung zu geben,
die dazu beiträgt, daß der Kleingarten und der Rückhalt
in der Gemeinschaft nicht aufgegeben werden. Es gilt die unfreiwillig
zugewiesene freie Zeit der arbeitslos gewordenen Gartenfreunde sinnvoll
auszufüllen; und wo ginge das besser, als im Kleingarten und
im Verein unter Gartenfreunden.
Die Akzeptanz auf breiter Ebene gibt der Initiative des Landesverbandes
recht: Die Resonanz ist nicht nur in den eigenen Reihen durchwegs
positiv, sondern auch andere Verbände folgen bereits diesem Beispiel.
Im Jahr 1999 hatten in Polen 5 % aller Kleingärtner - ohne eigenes
Verschulden - keine Möglichkeit, einem Beruf nachzugehen. Die
Kleingärtnerverbände sind bestrebt, Arbeitslosen direkte
Hilfe anzubieten und auch deren Fachkenntnisse für das Wohl aller
Kleingärtner zu nutzen. Arbeitslose werden zu gesellschaftlichen
Veranstaltungen in die Anlagen eingeladen; bei solchen Anlässen
erhalten sie von den Kleingärtnern z.B. am "Tag des Gartens"
Gartenerzeugnisse.
In Österreich hat der Zentralverband der Kleingärtner einen
Sozialfond gegründet, der in Not geratenen Kleingärtnern
finanzielle Unterstützung gewährt, z.B. bei der Zahlung
der jährlichen Pacht oder für Beiträge zur Schaffung
von neuen oder der Verbesserung alter Kleingartenanlagen.. Dieser
Fond wird aus Mitteln des Zentralverbandes und von Banken und Versicherungen
gespeist.
Ähnliche Beispiele findet man auch in den andern Mitgliedsverbänden
des Office wie z.B. in Belgien und Frankreich.
Hilfe ohne Grenzen
Die Partnerschaft der Stadt Magdeburg zur UNICEF, dem Kinderhilfswerk
der Vereinten Nationen, veranlaßte die städtischen Kleingärtner,
sich ebenfalls zu beteiligen. Eine Spendenaktion wurde durchgeführt.
Darüber hinaus wurden alle Gartenfreunde mit den Anliegen, Aufgaben
und Projekten der UNICEF vertraut gemacht. "Wenn Tag für
Tag 35000 Kinder sterben, bevor sie das 5. Lebensjahr erreichen, weil
sie ohne Hilfe verhungern oder einfachste medizinische Hilfe nicht
bezahlbar ist, dann ist das auch für eine familienbezogene Organisation
Pflicht, zu helfen", so die Ansicht des Vorstandes. Mit der Spende
sollten konkret drei Projekte unterstützt werden, und zwar "Schule
statt Arbeit für 2500 Kinder" in Brasilien, "Bildung
für Mädchen" in Nepal und "Hilfe für Heimkinder
mit Impfaktion" in Georgien. Die Magdeburger Kleingärtner
haben das hochgesteckte Ziel erreicht, da weitere Werbungen für
die Aktion im Rahmen von Vereins- und Kinderfesten geplant waren.
Verschiedene Kleingärtnervereine in Luxemburg unterstützen
notleidende Kinder und spenden fast regelmäßig höhere
Beträge an diesbezügliche soziale Einrichtungen und Organisationen,
z.B. für die "SOS Kinderdörfer-Organisationen"
oder "Ein Herz für krebskranke Kinder".
Des weiteren unterstützen die Kleingärtner durch den Erlös
von gesellschaftlichen Tätigkeiten ganz oft finanziell noch andere
nationale Wahltätigkeitsorganisationen.
In Polen unterstützen die Kleingärtnervereine, z.B. in Ploch
und Opole die Gesellschaft der Freunde der Kinder. Andere Kleingärtnervereine
helfen finanziell Kinderheimen und Einrichtungen für behinderte
Kinder. So konnte dank der Unterstützung seitens des Bezirksverbandes
der Kleingärtner in Bydgoszcz in einem Kinderheim die notwendigen
Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Zusätzlich noch
schenken die Kleingärtner landesweit jährlich den Kinderheimen
mehrere tausend Tonnen Obst und Gemüse.
Neue Lebensperspektiven
Gesundheitliche Gründe führten dazu, daß z.B. der
gelernte Garten- und Landschaftsbauer T. Tätigkeiten, die mit
schwerem körperlichen Einsatz verbunden sind, nicht mehr ausüben
darf. "Nach vergeblicher Arbeitssuche fühlte ich mich nutzlos
und hatte Angst, wirtschaftlich und sozial total abzusinken, weil
ich Zukunftsperspektiven auch immer mit Arbeit verbinde."
Inzwischen als Anleiter im Rahmen von ABM-Projekten des Bremer Verbandes
tätig, betreut T. zwei Gruppen à 11 Personen, die im Bereich
von Kleingartenanlagen umweltrelevante Projekte realisieren. Dabei
gelingt es ihm im besonderen Maße, neue Erfahrungen zu sammeln,
die in dem von ihm angestrebten Umschulungsbereich liegen. Auf der
einen Seite kann T. seine Mitarbeiter anleiten und motivieren, was
bis zur persönlichen Hilfestellung bei finanziellen, gesundheitlichen
oder familiären Problemen geht; auf der anderen Seite ist der
Begriff Kleingartenwesen durch seine Arbeit vor Ort mit den verschiedenen
Gartenfreunden kein leerer Begriff mehr, sondern bedeutet sinnvolle
Arbeit, Kontakte und Akzeptanz!
Dieses Beispiel läßt sich problemlos auf Dänemark,
Norwegen, Schweden, Frankreich oder auch Polen übertragen.
Seniorenglück
Ein grüner Treffpunkt für "Graue Löwen",
die allein keinen Garten bewirtschaften können, die aber auch
nicht abseits stehen wollen, stand Pate für die Idee, sich als
autonome Gruppe in die Vereinsgemeinschaft sächsischer Kleingärtner
zu integrieren. Natürlich mußten zuerst Bedenken ausgeräumt
werden und Spielregeln geschaffen werden. Dabei ging es um die Wahrung
von Eigeninteressen einerseits und die Integration der Gruppe in die
Gemeinschaft und in die Aktivitäten der Gartenfreunde anderseits.
Was anfangs eher zurückhaltend angenommen wurde, hat sich heute
verselbständigt. Der Blick über den Gartenzaun in benachbarte
Kleingärten, die gemeinsame Freude am Wachsen und Gedeihen der
Natur, die Kommunikationsbereitschaft beider Seiten haben dazu geführt,
daß "Graue Löwen" und "Grüne Gärtner"
eine Welt, eine Gemeinschaft bilden.
Kleingärtnervereine in Norwegen, Polen, Schweden oder in der
Schweiz laden spontan oder anläßlich des "Tag des
Gartens" Bewohner aus Altersheimen zu einer Mahlzeit oder zu
Kaffee und Kuchen in die Kleingartenanlage ein und ermöglichen
Ihnen so, einen angenehmen Tag inmitten der Kleingärtner in einer
schönen Natur zu verbringen.
Der Zentralverband der Kleingärtner in Österreich bietet
im Verein "Schreber- und Muttergarten" den Senioren kleinere
Parzellen mit kleineren Lauben an, desgleichen Hilfe bei der Gartenarbeit,
damit die älteren Kleingärtner, so lange sie es wünschen,
in der Kleingärtnergemeinschaft bleiben können.
Die polnischen Kleingärtner helfen den Senioren beim Anlegen
ihrer Parzellen und geben ihnen auch Gartenberatung. Desweiteren bieten
sie jährlich in Zusammenarbeit mit dem polnischen Sozialhilfekomitee
10.000 Senioren einen zweiwöchigen Ferienaufenthalt mit kulturellem
Rahmenprogramm in den Kleingartenanlagen an. Die Urlauber stehen unter
vollständiger ärztlicher Aufsicht und die Veranstalter sorgen
für die drei täglichen Malzeiten. Die Übernachtung
erfolgt in eigenen Heimen. Die Senioren erhalten zusätzlich unentgeltlich
Obst und Gemüse aus den Kleingärten, in denen der Erholungsaufenthalt
organisiert wird.
Die Vereinshäuser werden auch genutzt für andere Veranstaltungen,
wie für Vorlesungen, Bälle, Musik- und Liederabende.
Die belgischen Kleingärtnervereine setzen sich ebenfalls mit
diversen Aktivitäten speziell für die Integration von Senioren
in ihre Vereinsgemeischaften ein.
Kleine Gärtner heute - Kleingärtner
morgen
Das "Haus der fröhlichen Kinder" ist eine Potsdamer
Kita. Einen Beitrag dazu zu leisten, Kindern einen fröhlichen
Alltag zu gestalten, ist auch ein Anliegen von Kleingärtnern.
So dachte und handelte der Kreisverband Potsdam und schloß 1995
einen Patenschaftsvertrag mit der genannten Kita. Und hier die Leistungen
des Verbandes:
1996 finanzierte der Verband Spielgeräte. Die Mittel dafür
kamen aus einem Kuchenbasar. Potsdamer Kleingärtnerinnen backten
dafür Kuchen und brachten diesen anläßlich einer Ausstellung
zum Kleingartenwesen der Stadt an den Mann/die Frau.
1997 finanzierte der Verband ein Kleingewächshaus, das auf dem
Kita-Gelände seinen Platz fand. Dazu gehörten auch die notwendigen
Gartengeräte.
"Aber wer gibt die Anleitung dazu, wie man mit solch einem Gewächshaus
richtig arbeitet, welche Pflanzen wie und wann angebaut werden können?
Warum muß dieses so und das eben anders gemacht werden? Wer
sagt uns das?", wollten Kinder und Erzieherinnen wissen.
Der Verband gewann einen Kleingärtner-Fachmann, der nun regelmäßig
in der Kita zu Gast ist, um die Fragen der wissensdurstigen kleinen
Gärtnerinnen und Gärtner zu beantworten. Reparaturen erledigen
Gartenfreunde der benachbarten Kleingartenanlage.
Für die nunmehr beginnende zweite Vegetationsperiode wird die
materielle und ideelle Unterstützung des "Unternehmens"
durch den Kreisverband fortgesetzt.
Warum? Ganz einfach! Einst werden mit Sicherheit einige der Kinder,
die in dieser Kita selbst erzeugte Tomaten und Gurken geerntet und
gegessen haben, einen Kleingarten bewirtschaften. Woher darf man diese
Gewißheit wohl schöpfen?
Die Vereine aus Mondorf, Ulflingen in Luxemburg oder der Verein "Gartenfreunde
Ottakring" in Wien sowie Vereine in Frankreich und Schweden,
in den Provinzen Ostflandern und Limburg in Belgien führen Schulgartenprojekte
durch oder versuchen die Kinder durch andere Projekte an die Natur
und die Gartenarbeit heranzuführen (z.B. Wettbewerbe, Spezialkurse,
Kauf und Bereitstellen von Sämereien, Ausstellungen). In Norwegen
laden die Kleingärtner Schulkinder ein, ihre Vereine und Anlagen
zu besichtigen, um den Kindern so die Liebe und den Respekt zum Garten
und zur Natur zu vermitteln.
In England gibt es in verschiedenen Vereinen eine Parzelle, auf der
die Kinder der Kleingärtnerfamilien gärtnern können.
Die polnischen Kleingärtner richten Spielplätze für
Kinder in den Kleingartenanlagen ein z.B. im Bezirk Bydgoszcz gibt
es 146 Spielplätze in den 233 Kleingartenan-lagen. Sie ermöglichen
auch Kindern aus weniger bemittelten Familien Ferien in den Kleingartenanlagen
zu verbringen - z.B. in der Kleingartenanlage "Dolinaka"
in Kozienice, oder in den Kleingärten in Opole. In den Kleingärten
in Kielce erholen sich auch polnische Kinder aus der Ukraine, aus
Belorußland und aus dem Kasachstan.
Die polnischen Kleingärtner arbeiten mit den Schulen zusammen,
damit die Kinder die Kreisläufe der Natur und das Gärtnern
besser kennen lernen und legen spezielle Schulgartenparzellen für
die Schulkinder an. So wurden allein im Bezirk Katowice in 61 Kleingärten
ein solcher Unterricht erteilt.
Die niederländischen Kleingartenareale sind in den städtischen
Ballungszentren wichtige öffentliche Gartenanlagen, in denen
die Stadtbewohner wieder Kontakt mit der Natur aufnehmen können.
Viele Vereine bieten den Kindern der Nachbarschaft einen willkommenen
Platz zum Spielen auf eigenen Spielplätzen an.
Soziale Verantwortung
Über den eigenen Tellerrand hinaus haben auch Berliner Gartenfreunde
gedacht und entsprechend gehandelt. Die gut besuchten Weihnachtsbasare
der zurückliegenden Jahre haben sie zum Anlaß genommen
und den Erlös der letzten Veranstaltung Obdachlosen einer Reinickendorfer
DRK-Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Doch damit nicht genug.
Durch die Zustimmung der eigenen Mitglieder ermutigt, sprach der Verein
eine Einladung aus, um den Betroffenen ein Gefühl persönlicher
Anteilnahme und Verbundenheit zu geben. Die kostenlose Mahlzeit, obwohl
gut angenommen, war nicht das Wichtigste bei den Gästen. Der
Tapetenwechsel und das Gespräch mit anderen galten als eigentlicher
Höhepunkt des Tages und ließen das Zusammentreffen zum
Erlebnis für beide Seiten werden.
Für den Verein steht außer Frage, die Kontakte zu der DRK-Einrichtung
und den betroffenen obdachlosen Menschen weiter aufrechtzuerhalten.
In der Schweiz führen praktisch alle Vereine jährlich einen
Blumentag durch. Es geht darum, aus Blumen, die von den Mitgliedern
zur Verfügung gestellt werden, Sträuße zu binden und
diese dann an ältere und kranke Mitbürgerinnen und Mitbürger
in der Gemeinde, in Privathaushalten, in Spitälern, in Altersheimen
etc. zu verteilen. Dies ist eine schon Jahrzehnte alte Tradition.
In Luxemburg überreichen jährlich viele Kleingärtnervereine
größere Schecks an soziale Organisationen, z.B. an das
Rote Kreuz für soziale Projekte in der dritten Welt, an die Organisation
Ärzte ohne Grenzen, usw.
Eine steigende Zahl von niederländischen Kleingartenvereinen
laden jährlich Bewohner von Pflege- und Altersheimen zu einem
erholsamen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen in die Kleingartenanlagen
ein und zeigen ihnen die Gärten. Wenn notwendig, helfen die Kleingärtner
beim Schieben der Rollstühle. Diese Nachmittage stellen eine
sehr willkommene Abweckslung dar, die sowohl von den älteren
Menschen wie von ihren Begleitern sehr geschätzt wird. Jeder
Gast erhält zum Schluß noch einen schönen Blumenstrauß.
In Österreich sind die Frauen-Fachgruppen in den Kleingärtnervereinen
überaus aktiv. Sie basteln in gemeinsamen Runden kleine Blumenpräsente,
Blumengebinde etc. und beschenken Menschen in Alters- und Semiorenheimen
an Muttertagen, Ostern und Weihnachten und anderen festlichen Tagen.
So geschieht es auch in Norwegen, Schweden und in vielen anderen Mitgliedsverbänden
des Office.
In Polen schenken die Kleingärtner Gartenprodukte an Krankenhäuser,
Kinder- und Altersheime.
Alleinstehende Kleingärtner, vor allem Senioren, werden auch
in Polen zu gesellschaftlichen Veranstaltungen wie z.B. zu Lagefeuern,
zu Chorauftritten und anderen Veranstaltungen eingeladen. Kleine Empfänge
werden zu Ostern, am Heiligen Abend, am Tag der Senioren, am Frauentag
etc. organisiert. Im Bezirk Szczecin z.B. werden solche Veranstaltungen
jedes Jahr in 45 Kleingartenanlagen durchgeführt.
Die
dargestellten Beispiele könnten beliebig fortgesetzt werden und
dokumentieren das große soziale Verständnis der Kleingärtner
und das sozialpolitische Potential der Kleingärtnergemeinschaft,
die nach innen und nach außen wirken. Wer soziale Verantwortung
tragen will, der darf nicht nur reden, sondern muß handeln!
Die Kleingärtner beweisen dies durch die Vielfalt ihrer Aktivitäten,
welche das Kleingartenwesen in ganz Europa auszeichnen und es zum
Forum für jedermann macht, der ebenso denkt und fühlt.
Herzlich
willkommen!