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Der phänologische Kalender

Die Jahreszeitenuhr der Natur

Nach unserer Zeitrechnung beginnt bald wieder ein neues Jahr mit genau berechneten Terminen. Die Abläufe in der Natur stimmen aber nicht exakt mit diesen Terminplänen überein, da sie stark von der wechselhaften Witterung abhängen. Während in den Tropen und Subtropen die Vegetations- und Ruhezeiten der Pflanzen durch Regen und Trockenzeiten ausgelöst werden, prägt in unseren Breiten die Durchschnittstemperatur den Zustand der Vegetation. In unserer Vorstellung verbinden wir die vier Jahreszeiten mit bestimmten Bildern: Der Frühling bringt saftiges Grün, der Sommer die Blütenfülle, der Herbst lässt Früchte reifen, der Winter zeigt kahle Äste und Tannengrün. Doch die Natur hält sich nicht immer an den Kalender. Oft weht zum kalendarischen Frühlingsbeginn noch ein rauer Wind, oder es fällt sogar Schnee. Die Tätigkeiten im Garten müssen selbstverständlich mit den realen Verhältnissen im Einklang sein. Eine bessere Orientierung als der reguläre Kalender bietet hier der phänologische Kalender, dem langjährige Beobachtungen wiederkehrender Ereignisse in der Natur zugrunde liegen.

Die häufig belächelten Bauernregeln spiegeln dieses Wissen wider, wobei so manche "Weisheit" durchaus kritische bewertet werden sollte. Aus diesen Überlieferungen entwickelte sich im 18. Jahrhundert "die Lehre der Erscheinungen" – die Phänologie. Hier werden die Beobachtungen aus Land- und Forstwirtschaft, Meteorologie und Ökologie miteinander verknüpft. Der phänologische Kalender des Deutschen Wetterdienstes kennt für die Vegetation zehn Jahreszeiten. Entwicklungsstadien wie Blühbeginn und Reife bestimmter Pflanzen signalisieren den Beginn einer Jahreszeit. Dieser Zeitpunkt kann jedoch je nach Landschaftsgebiet unterschiedlich sein. Witterungsbedingt gibt es oft Ausreißer, wodurch eine phänologische Jahreszeit extrem früh oder sehr spät beginnen kann. Im Vergleich jahrzehntelanger Aufzeichnungen vieler kleiner Gebiete zeigt sich trotz mancher Unregelmäßigkeiten eine Tendenz zur Verfrühung des Frühlings.


1. Vorfrühling
 Beginn der Haselnussblüte oder ersatzweise der Schneeglöckchenblüte



2. Erstfrühling
Beginn der Forsythienblüte oder ersatzweise der Blattentfaltung der Stachelbeere

 



3. Vollfrühling
Beginn der Apfelblüte oder ersatzweise der Blattentfaltung der Stieleiche

 


4. Frühsommer
Beginn der Blüte des Schwarzen Holunders

 


5. Hochsommer
Beginn der Blüte der Sommerlinde oder ersatzweise der Fruchtreife der Johannisbeere



6. Spätsommer
Beginn der Fruchtreife des Frühapfels oder ersatzweise der Fruchtreife der Eberesche

 


7. Frühherbst
Beginn der Fruchtreife des Schwarzen Holunders

 

8. Vollherbst
Beginn der Fruchtreife der Stieleiche oder ersatzweise der Fruchtreife der Rosskastanie

 



9. Spätherbst
Beginn der Blattfärbung der Stieleiche oder ersatzweise der Blattfärbung der Rosskastanie

 


10. Winter
Beginn des Auflaufens des Winterweizens oder ersatzweise des Blattfalls von spätreifendem Apfel oder Stieleiche

 

Thomas Wagner
Bundesverband Deutscher Gartenfreunde

30 Jahre Freundschaft zwischen Kleingärtnerverbänden aus der Region Poznan und Westfalen-Lippe

DE170927Am 19.August 1987 unterzeichneten die Präsidenten der Kleingärtnerverbände aus Deutschland (BDG) und Polen einen Freundschaftsvertrag. Bereits wenige Wochen später, vom 20. – 26. September 1987, fand eine historische Begegnung zwischen Gartenfreundinnen und Gartenfreunden aus der Provinz Poznań und dem Landesverband Westfalen und Lippe statt. So entstand eine Freundschaft, die in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert. Auf Einladung unserer polnischen Freunde besuchte eine Delegation unseres Landesverbandes unter Leitung des Landesverbandsvorsitzenden Wilhelm Spieß vom 4. bis 9. September 2017 die Provinz Großpolen/Poznań.

Mit einem abwechslungsreich gestalteten Programm würdigte der Gastgeber eindrucksvoll dieses besondere Jubiläum. Bürgermeisterempfänge in Śrem, Czerwonak und Poznań gehörten ebenso zum Programm, wie der Besuch von Kleingartenanlagen. Ein historischer Höhepunkt war gewiss der Besuch in der Kleingartenanlage Przyłuskiego in Poznań, wo am 20. September 1987 erstmals die westfälisch-lippische Delegation Kleingartenboden betrat.

Was haben wir ein stückweit gemeinsam auf den Weg gebracht? Welche Früchte trägt diese Partnerschaft? Hierzu nun ein paar Beispiele.

Gemeinsam haben 2012 Kleingärtner aus Poznań und Westfalen-Lippe eine Re-solution zum Schutz von Kleingartenland unterzeichnet und dem Sejmmarschall überreicht.

Bürgermeisterempfänge in der Region Poznań waren immer weit mehr als der Austausch von Grußbotschaften. Zusammen mit Vertretern der Kommunalpolitik und Behörden haben wir uns oft über die Aufgaben der Kommunen für das örtliche Kleingartenwesen unterhalten.

Auch Forschung und Wissenschaft beschäftigen sich mit dem Kleingartenwesen, insbesondere mit den städtebaulichen und ökologischen Aspekten. Vergleichende Untersuchungen zum Kleingartenwesen in Polen und Deutschland sind letztendlich auch das Ergebnis einer gelebten Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen, wo sich Studenten und junge Wissenschaftler dranhängen.

DE170927Der gemeinsame Abschlussabend und die Teilnahme am Erntedankfest – das waren am Ende unserer Reise gewiss auch einzigartige Höhepunkte. Als Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft, gestern, heute und in Zukunft, übereichten im Namen der Delegation der Landesverbandsvorsitzende Wilhelm Spieß und Geschäftsführer Werner Heidemann zwei Schafe aus der Herde des westfälischen Künstlers und Blauschäfers Rainer Bonk. Das Blau der Schafe ist der Blauton der Europaflagge. Und so wie jeder von uns einzigartig und wichtig ist, so ist er nur in der Gemeinschaft stark – so die Botschaft der Blauschäferei.

Ein drittes Schaf grast am Rathaus der Stadt Poznań. Sie grasen für ein friedliches Miteinander, Vorsitzender des Landesverbandes Poznan überreichte dem Landesverbands-vorsitzenden Wilhelm Spieß zum 30-jährigen Partnerschaftsjubiläum eine Urkunde.

Wo immer wir auch waren – mit Freude und offenen Herzen wurden wir stets empfangen.

Dieses Jubiläum ist für uns mit Dank, Anerkennung und Ansporn verbunden. Dank gilt denen, die damals den Grundstein für diese Partnerschaft und Freundschaft gelegt haben. Anerkennung verdienen alle Freunde, die in Polen und Deutschland mit ihren Händen und Herzen zur Verständigung beitragen und die Partnerschaft und Freundschaft festigen.
Ansporn und Antrieb mögen aus diesem Jubiläum für die Zukunft erwachsen, denn Partnerschaften und Freundschaften als wichtiger Teil der Völkerverständigung brauchen Pflege, Gespräche und gemeinsames Handeln.

Werner Heidemann
Den vollständigen Artikel können Sie lesen im Fachberater Nr. 4/2017

Sammelleidenschaft mit Folgen

Ein internationales Forscherteam hat kürzlich erneut davor gewarnt, dass die Anzahl gebietsfremder Arten, die sich in der Natur ausbreiten, kontinuierlich zunimmt. Ein bekannter Grund für die weltweite Verbreitung von Pflanzen und Tieren seit den 1950er Jahren ist die Globalisierung des Handels.

Weitgehend unbekannt ist jedoch, dass viele invasive Pflanzenarten bereits im 18. und 19. Jahrhundert ihren Weg nach Europa antraten: Forschungsreisende brachten ihre Entdeckungen aus Asien und Amerika mit, die mit Begeisterung in Gärten und Parks gepflanzt wurden. So gelangte der aus China stammende Götterbaum (Ailanthus altissima) bereits um 1700 nach Europa. Der Japanische Flügelknöterich (Fallopia japonica), eine beliebte Zierpflanze im Viktorianischen Zeitalter, gewann 1847 in Utrecht sogar eine Goldmedaille als "interessanteste Pflanze des Jahres". Und auch die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) war einst als Gartenpflanze heiß begehrt.

Im August 2016 trat die erste EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung, die sogenannte Unionsliste, in Kraft. Sie enthält 37 Tier- und Pflanzenarten, von denen bisher 24 auch in Deutschland wild lebend vorkommen. In diesem Sommer soll die Unionsliste nun um 12 weitere Arten ergänzt werden, darunter auch zwei Zierpflanzen mit gärtnerischer Bedeutung: das Mammutblatt (Gunnera tinctoria) und das Afrikanische Lampenputzergras (Pennisetum setaceum).

Gabriele Rautgundis RICHTER
Gartenfreund August 2017

www.gartenfreunde.de/gartenpraxis/gut-zu-wissen/sammelleidenschaft-mit-folgen

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